| chaos dialogue #2 |
[Mar. 8th, 2007|11:20 pm] |
EDIT: Jemand behauptete, dies sei interessant - daher jetzt öffentlich.
cales: also warum hast du genug davon? raona: ich habe eben genug davon. es ist nicht einmal wirklich, mehr noch, es ist nicht einmal mehr aktuelle fiktion sondern veraltete - trotzdem bin ich schon damals mit schildern, trauerschildern um denhals rumgelaufen, als noch viel weniger geschehen ist als heute. c: äh raona: warum du nun hier bist? c: ja, das in etwa wollte ich fragen. r: ich wollte dich töten, weißt du. es ist mir ständig im kopf rumgepukt. ich hatte sogar das gefühl, mich nicht wehren zu können dagegen. wenn die geschichte funktionieren soll, sagte etwas in mir, dann mußt du cales töten. nur wenn du cales tötest, leiden alle, und nur wenn alle leiden, kann es endzeit-mäßig sein. oder so ähnlich. deshalb. c: du... hast mich aber nicht getötet. r: noch ist eure geschichte nicht fertig. wenn du wüßtest, was noch auf dich zukommt. juli? Julianna: ? r: stell dir vor, du wärst ein charakter in einer geschichte. j: gut, ich versuche es. r: jetzt stell dir die zeit in greifenfurt vor. ich weiß, das schmerzt, aber du tust es sowieso andauernd. j: es fällt mir nicht schwer. r: wenn du dir denkst, du seist ein erfundener charakter, und dein leben, besonders alles, was im krieg und in den belagerten städten passiert ist, sei eine geschichte - j: ja r: wie interessant wäre die geschichte gewesen, wenn: zervas ein mensch gewesen wäre und dich geliebt hätte. marcian seine frau bekommen hätte und überlebt hätte. nie jemand das hylaier feuer erfunden hätte und wir - ich meine, ihr den krieg ganz einfach gewonnen hättet, mit wenig verlusten. j: ich... weiß nicht, raona. das ist eine sehr schwierige frage. ich bin auch keine schriftstellerin. aber ich weiß, daß all das dann nicht so tief in mich eingschürft worden wäre. ohne die tiefen narben, die der krieg mir gerissen hat, die unsere eigenen entscheidungen in uns eingeritzt haben, wäre ich ein anderer mensch. ein glücklicherer mensch, denke ich. aber ein anderer. r: also, wenn ich die wahl hätte treffen können. wenn ich sozusagen die autorin gewesen wäre. hättest du gewollt, daß ich das massaker am fluß vermeiden? j: aber natürlich! bei den göttern, wie kannst du das überhaupt fragen? ich würde viel, fast alles geben, nein - ich würde mein leben geben, um das ungeschehen zu machen. cales: raona. du bringst da etwas durcheinander. r: wie? c: du weißt schon. es geht nicht darum, ob die figuren glücklich werden, wenn du eine gschichte schreibst. es geht in einer geschichte um das abenteuer. um die herausforderungen, die kämpfe, und die veränderungen, die die charaktere erfahren. r: (bitter) sagst du das auch noch, wenn dir die trümmer des hauses um die ohren fliegen? wenn du ono schreien hörst - c: fiktion, raona. fiktion. ich existiere so oder so, und ich kann unendlich viele wege gehen. du kannst mich töten, wenn du willst, ich bin dir dafür nicht böse. so passiert es eben in romanen. in guten jedenfalls. r: (wütend) als ob chara-death ein entscheidendes kriterium für qualität wäre! c: dafür nicht, aber für mitfühlen. r: das muß auch anders gehen. cales sag mal, warum argumentierst du hier eigentlich für deinen eigenen tod? du sollst dich selber repräsentieren, nicht diesen teil meines unterbewußten, der immerzu nach tragik und explosionen im text brüllt. und außerdem ging es bei deinem tod überhaupt in erster linie darum, ono leiden zu lassen, weil er nämlich der hauptcharakter ist und nicht du. c: aber du liebst mich. r: ja verflucht, natürlich, ich liebe dich. was hat das damit zu tun? istván: ihr redet zu viel, spinner. hier ist wein, und jetzt haltet die klappe. r: neues wort gelernt? i: ruhe. |
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